Waldhotel Davos, Davos

waldhotel_davos_aussen_2 BildDas „Zauberberg“-Hotel in Davos war Anfang des 20. Jahrhunderts ein Sanatorium für Lungenkranke. Nach dem der Roman von Thomas Mann erschienen war, der Ruf des Luftkurortes angeblich ruiniert. Doch das ist lange her.

Ein schmales Bett steht links in der Ecke, gegenüber ein Waschtisch, dann noch ein Stuhl, mehr passt in das Zimmer nicht hinein. Bettwäsche in Weiß, Handtücher in Weiß – „Alles sollte möglichst steril und hygienisch aussehen, und die Wäsche musste natürlich regelmäßig gekocht werden“, erzählt Barbara Thomann. Die Angst vor Ansteckung und Tod war groß im Jahr 1912, als die Schriftstellergattin Katia Mann in einem Zimmer wie diesem ihren Lungenkatarrh auskurierte. Waldsanatorium hieß das heutige „Waldhotel Davos“ damals, eine auf Lungenleiden spezialisierte Klinik.

Die Hoteliers Barbara und Michael Thomann haben bei der Sanierung 2006 das Krankenzimmer im Erdgeschoss originalgetreu wiederhergerichtet. Umso größer erscheint der Kontrast zu den  Panoramazimmern im neu aufgesetzten fünften Stock. Edel eingerichtet von den Schweizer Innenarchitekten Pia Schmid und Hans-Jörg Ruch, lichtdurchflutet und mit einem grandiosen Blick auf Davoser Bausünden und die gegenüberliegende Bergkette.

Zum Jammern – wenn aus dem schönsten Fenster niemand schaut

Am spektakulärsten ist das Eckzimmer, das mit seiner Glasfassade einen Rundumblick über Europas höchstgelegene Stadt und Sonnenuntergänge wie auf der schönsten Panoramatapete bietet. Dieses Zimmer bucht jedes Jahr zum Weltwirtschaftsforum ein Gast aus dem Nahen Osten. Vergangenes Jahr hat er zwar bezahlt, erschien aber nicht. „Das hat mich doch etwas geärgert“, erzählt Barbara Thomann. „Das hier ist das schönste Zimmer in ganz Davos und dann schaut,  obwohl alles ausgebucht ist, keiner aus dem Fenster.“

Es gibt wohl wenige Hotels mit einem so herausragenden Platz in der Literaturgeschichte wie dieses. 1911 wurde das Sanatorium eröffnet, Thomas Mann begann während der Krankenbesuche bei seiner Frau mit der Arbeit am „Zauberberg“. Der Schriftsteller wohnte nicht im Sanatorium, das sich über den Dächern von Davos an den Hang schmiegt, sondern in der Gästevilla gegenüber. Insgesamt war er im Frühsommer des Jahres 1912 nur vier Wochen hier und schrieb dann, mit Unterbrechungen, 12 Jahre am „Zauberberg“.

Als der Roman endlich erschien, im September des Jahres 1924, sahen die Davoser den Ruf ihres berühmten Luftkurorts ruiniert – dem „Siechenort“, wie Mann schrieb, in dessen Straßen „alle hundert Meter ein Spucknapf für die Kranken steht“, der aber gleichzeitig Schauplatz exzessiver Ausschweifungen der Todkranken war.

Dass Mann den Davosern einige der schönsten Beschreibungen ihrer Landschaft geschenkt hatte, änderte nichts an deren Verstimmung – die war gründlich und hielt lange an. Heute aber kommt kaum eine Gaststätte ohne den Hinweis aus, dass der Großschriftsteller oder seine Frau auch hier schon einmal gegessen, gesessen oder vorbeigegangen sei.

Auch im Restaurant wird dem großen Literaten gehuldigt, es heißt  „Mann und Co.“

Auch das “Waldhotel“ ist eine Art Literaturmuseum mit integriertem 4-Sterne-Superior-Betrieb, Gourmetgastronomie und Wellness-Bereich. Das Restaurant heißt „Mann & Co“, die Kärtchen für die Tischreservationen stecken zwischen den Seiten des „Zauberbergs“ und auf der Toilette läuft ein Hörbuch des Romans. Das Hoteldirektorenpaar Thomann ließ das ganze Interieur des Bar- und Restaurantbereichs – Sessel, Stühle und Lampen – nach Fotos aus der Mann-Zeit nachbauen.

1957 wurde das Sanatorium zum Hotel umgebaut, und da sollte zunächst nichts mehr an die Kranken und Siechen erinnern. „Damals wurde das ganze Mobiliar herausgerissen und weggeschmissen, die Kassettendecke verspachtelt, die Wände bunt tapeziert und der Linoleumboden mit Teppich verdeckt“, erzählt Barbara Thomann. Als sie mit ihrem Mann das Hotel übernahm, wollte sie nach und nach die Historie des Hauses sichtbar machen. Heute ist die Bar eingerichtet wie zu Sanatoriumszeiten. In den Bücherregalen stehen die Werke des Meisters  – nur die Ausgabe vom „Zauberberg“ fehlt. „Die wird ständig geklaut“, erzählt Direktorin Thomann. Die Kassettendecke im Speisesaal haben Handwerker freigelegt, Stühle und Tische sind nach historischen Fotos angeordnet.

„Die besten Liegestühle der Welt“

Und die Liegestühle auf den großen Balkonen sind sogar die originalen, laut Thomas Mann die besten Liegestühle der Welt. Eingekuschelt in Kamelhaardecken kann man hier entspannt den (mitgebrachten) „Zauberberg“ lesen, sich in das Jahr 1912 träumen, die damals wie heute wunderbare Bergluft genießen – oder von oben zuschauen, wie vor dem Kongresszentrum die Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums mit Limousinen vorfahren, zu ihren Konferenzen eilen und hoffentlich die Welt aus der Finanzkrise retten. _ Text: Barbara Jung Fotos: Waldhotel Davos

Kontakt:

Waldhotel Davos
Buolstrasse 3
CH-7270 Davos Platz

Tel. +41 (0)81 415 15 15
Fax +41 (0)81 415 15 16

Preis:
Unsere Wintersaison dauert vom 28. November 2009 bis 10. April 2010.Die Preise sind pro PERSON UND NACHT BEI DOPPELBELEGUNG, INKLUSIVE FRÜHSTÜCK, Service, Taxen und MWST.