Sennerin auf Zeit: Anleitung zum Alpausstieg (3)

ziegenhueten BildAuf dem Weg nach oben. Wer arbeiten will, braucht eine Stelle. Alpstellen hat es vorläufig genug, ausdauerndes und erfahrenes Personal ist eher Mangelware.

Normalerweise entscheiden sich die Angestellten unter den Alpleuten anfangs Jahr, ob sie ihre letztjährige Stelle im Sommer wieder antreten wollen. Der Januar gilt somit als Startmonat für das große Gerangel nach oben. Die meisten Stellen werden unter der Hand gehandelt und zeigen sich dem interessierten Publikum nicht. Dabei sind die langjährigen Älpler und Älplerinnen die Könige und Königinnen auf dem Platz, ausser sie wollen sich mit ihren Lohnforderungen eine goldene Krone verdienen.

Statistische Jobchancen
Gezählt sind in der Schweiz 7700 Alpen, was schätzungsweise 13.000 bis 15.000 potentielle Jobs ergibt. Wirklich gesucht werden bedeutend weniger Alpleute, da viele Alpen von den Bauern selber bewirtschaftet werden. Grundsätzlich gelten Leute mit Alperfahrung als bevorzugt, also minimieren sich die Stellenchancen für Alpneulinge nochmals. Die Stellenbörse bei www.zalp.ch schleuste letztes Jahr 826 Suchende in Richtung 825 Stellen. Wenn man gerade der einzelne war, der da leer ausging, konnte man sich damit trösten, eine statistische Größe zu sein.

Jobchancen bleiben auch im Sommer erhalten, da wegen Muskelkater und Revierköter einige wieder ins Tal ziehen und ihr Heil auf irgendeiner Südseeinsel suchen. Kurz: Wen die Alp nicht brauchen kann, den spuckt sie wieder aus. Ferner kommen wenige unter die Klauen von Mutterkühen mit ausgeprägtem Mutterinstinkt und noch seltenere fallen schlicht in eine Felspalte oder werden von einem fliegenden Butterfassdeckel erschlagen. Das ergibt zusammen für die Schweiz weitere 100 Stellen während dem Alpsommer.

Wo sich den Höhenkoller holen
Von Vorteil ist zu wissen, was man kann und was man will. Eignet man sich für Kühe, Rinder, Ziegen oder Schafe, will man sennen oder hirten, oder erstmal stallputzen, kochen und Kinder hüten, liebt man die Einsamkeit des Hirtens oder die Geselligkeit am Kessirand, zieht man eine kleine Alp einem größeren Betrieb vor oder umgekehrt?

Die Antworten können den sommerlichen Aufenthaltsort mitentscheiden. Für die Regionen St. Galler Oberland, Graubünden,Waadtländer Jura und den Tessin werden reichlich Alpleute gesucht, da die meisten Alpen von Genossenschaften geführt werden. Die Kuhzahl liegt dort im Schnitt bei über 70 Stück und die Bauern verspüren wenig Lust, ihrem Vieh selber nach zu rennen. In der Innerschweiz, im Berner Oberland, im übrigen Jura, im Appenzell und Toggenburg werden viele Alpen privatwirtschaftlich betrieben, wo auch eine ungelernte willkommen ist. Sie sind oft kleineren Ausmaßes und beherbergen gemischte Tierbestände. Ein volles Portemonnaie ist dort aber nicht zu machen.

huette BildDas Kleingedruckte im Handschlag
Beim Anstellungsgespräch in der Bauernstube sitzen sich oftmals zwei unterschiedliche Kulturen gegenüber. Für Studenten und Unterländerinnen ist die Bauernszene wie ein neues Kapitel im Fach Soziologie, manchmal sogar Ethnologie. Aber auch die Bauersleute müssen sich immer wieder auf neue Ideen, Ideologien, Haarformen und Bekleidungen des angehenden Alppersonals einlassen. Das Gesetz macht es sich einfacher: Hier wird nur unterschieden zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Bauern und Bauernstube können einem urchig anheimeln. Eingelullt vom dampfenden Milchkaffee zum chüstigen Kuchen der Bäuerin schlägt man die Hand ein, wo eigentlich ein Vertrag unterschrieben werden sollte. Meist wird ja im Fühling oder Winter abgemacht, was die Alpleute im Sommer zu tun haben und wieviel sie im Herbst dafür bekommen. Da bleibt Zeit um manches Versprechen zu vergessen.

Vertrauen ist gut, ein schriftlicher Vertrag auch nicht schlechter. Meiner Meinung nach sogar die beste Voraussetzung für gegenseitiges Vertrauen. In einem Vertrag sollten die zwei Parteien genannt, der Lohn und die Anstellungszeit festgehalten, spezielle Arbeiten wie Mist ausbringen, Weide räumen, Touristen verpflegen, Feuerholz aufbereiten und ähnliches geregelt sein. Die rechtliche Grundlage für Anstellungen in der Alpwirtschaft bilden das Obligationenrecht und der kantonale Normalarbeitsvertrag, der bei den landwirtschaftlichen Fachstellen anzufordern ist.

Lohn
Schweizweit gibt es keine einheitlichen Alplöhne, je nach Größe der Alp, Anstellung als Batzger (Mädchen für alles) oder Chefsenn werden Sackgelder oder 4000 Franken pro Monat bezahlt. Es gibt zwar Richtlinien für Mindestlöhne und Richtlinien für die Entlöhnung von Alppersonal, die werden aber nicht immer eingehalten oder mit Teilzeitpensen unterlaufen. Komischerweise fordern ErlebnisälplerInnen oftmals keinen standesgemäßen Lohn, sie wollen ja mit sinnreicher Tätigkeit vor grandioser Bergkulisse beglückt werden. Sie haben im Sommer drei Monate Zeit, diese Fehlentscheidung zu bedauern, denn geschwitzt wird immer, ob mit oder ohne Lohn.

Für eine gerechte Entlöhnung vereinbart man einen Brutto-Tageslohn, regional sind jedoch noch Pauschallöhne anzutreffen. Ferien- und Freizeittage sind meistens inbegriffen, können also nicht eingelöst werden. Hinzu kommen Unterkunft und evtl. Naturallohn, abgezogen werden AHV/IV/ALV/EO, Unfallversicherung, evtl. Krankentaggeld und bei Ausländern die Quellensteuer. Über all diese langweiligen Dinge, die einem vor der Alp weniger interessieren als nach der Alp, findet man aktuelle Informationen unter www.zalp.ch. _ Text und Fotos: Giorgio Hösli

3 Antworten
  1. Gostelli Daniel
    Gostelli Daniel says:

    Guten Tag ich suche schon lange eine Schafalp, leider gibt es immer mehr unsieriösse Bauern die einem nicht bezahlen oder einem verarschen
    Lg DG

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