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Senner auf Zeit: Anleitung zum Alpausstieg (4)

blumenwiese Bild400 Liter Blut für einen Liter Milch. Ein Alpsommer lässt sich nicht in Zahlen fassen und doch findet man bei den Statistikern manch Interessantes.

Sieben Minuten schneller
Die Urner Alpleute verbringen im Sommer 15 Minuten mit Zeitungslesen, was eine Effienzsteigerung von sieben Minuten gegenüber dem winterlichen Lektürenaufwand bedeutet. Diese aufschlussreiche Statistik hat José Amrein in seinem Buch „Vom Leben der Urner Älpler“ veröffentlicht. Weiter erfahren wir, dass die Arbeitswoche 83 Stunden hat und trotzdem 86 Prozent der über 50-Jährigen verheiratet sind. Als positive Seite des Älplerlebens erachten 44 Prozent der Befragten das Arbeiten in der Natur, hingegen beklagen sich gleichviele über das dabei stattfindende schlechte Wetter. 80 Prozent glauben nicht recht an alpheimische Geister, dafür 67 Prozent an die Wirkung des Betrufes. Alpen ist so widersprüchlich wie das Leben selbst.

Zahlen schwitzen nicht …
Der geneigten Leserschaft ist bekannt, dass ca. 15.000 Älpler und Älplerinnen auf 7700 Alpen ihren Sommer verbringen. Dies auf einer Fläche von 612619 Hektar, was einer Futtermenge von gut 250.000 Tonnen Heu entspricht. Bleibt man bei den reinen Zahlen, bedeutet dies, dass 10 Prozent der landwirtschaftlich Beschäftigten 40 Prozent der Fläche bewirtschaften und dies in nur drei Monaten. Wer jetzt noch nicht ins Schwitzen gekommen ist, darf sich weitere Statistik anhören.

Die Alpleute haben 110.070 Kühe zu melken, dazu 22.662 Ammenkühe, 209.920 Rinder und 55.881 Kälber zu hüten. Weiter betreuen sie 20.000 Ziegen, 240.000 Schafe, 5000 Pferde und zahlenmässig nicht erfasste Alpschweine. Insgesamt sind dies 25 Prozent der Schweizer Rindviecher, 40 Prozent aller Ziegen, 50 Prozent des Schafbestandes und gesamtschweizerisch 20 Prozent des Viehbestandes.

Dank 90 Millionen Sömmerungsbeiträgen und 10,8 Millionen Verkäsungszulagen, werden auf den Alpen 60.000 Tonnen Milch gemolken, wovon 52.800 Tonnen zu Alpkäse und 9000 Tonnen zu Butter verarbeitet werden.
kuhhueten Bild… dafür die Kuh
Wenn die Älplerschaft derart schwitzen muss, will auch die Kuh nicht hinten an stehen. Im Gegensatz zu ihm will sie zuerst das Vergnügen. Am liebsten 25 – 40 Kilo saftige Alpenkräuter und ein 50 Literglas reines Bergquellwasser als Futtergrundlage. Dies ist ihrer Meinung nach überhaupt nicht zuviel, schliesslich schleppt sie eine Masse von 600 Kilogramm über die Weide, macht pro Tag bis zu 30.000 Kaubewegungen, pisst möglicherweise 20 Liter Urin in die Gräser, scheisst einen täglichen Fladen von 15 – 30 Kilo und schwemmt für die Bildung eines Liter Milchs 300 bis 400 Liter Blut durchs Euter. Da darf sie sich getrost einen Rülpser leisten, welcher ca. 70 Prozent Kohlendioxid und 29 Prozent Methangas enthält. Dies ist mit ein Grund die Schweizer Kuh für den Treibhauseffekt mitverantwortlich zu machen. Für all diesen Chrampf leistet sie sich nur fünf Minuten tiefen Schlafs, den Alpleuten mögen wir mehr gönnen. _ Text und Fotos: Giorgio Hösli