Null-Stern-Hotel, Teufen

null_stern_hotel_zimmer BildAls „lustvolle Erweiterung des gängigen Hotelangebots“ bezeichnen die Zwillinge Frank und Patrik Riklin ihr Null-Sterne-Hotel. Es liegt in einem Bunker. Unterirdisch gut.

Kein Fenster, nackte Wände, große Schlafräume mit bis zu sieben Betten: Zivilschutzanlage „Stempf“ in Sevelen bei Sankt Gallen/Schweiz. Hier ist es also, das weltweit erste Null-Sterne-Hotel. Eingerichtet ist es bereits, auch der Testlauf hat reibungslos funktioniert. Nun hängt es von den Buchungsanfragen ab, ob das Etablissement „Null-Stern-Hotel“ in den Dauerbetrieb geht.

Das ungewöhnliche Projekt ist eine Idee der Schweizer Zwillingsbrüder Frank und Patrik Riklin, die mit ihrem 1999 gegründeten Atelier für Sonderaufgaben in Kooperation mit der 4000-Einwohner-Gemeinde Sevelen ein Konzept für den ungenutzten Luftschutzbunker entwickelt haben. Ursprünglich war es nur als Unterkunftsmöglichkeit für Musiker gedacht, die in dem Kulturzentrum der Gemeinde übernachten. Wichtige Bedingung des Bundesamts für Militär: Der Bunker muss binnen 24 Stunden wieder in seiner eigentlich Funktion benutzbar sein, zudem dürften keine Wände eingerissen werden. Den Blick nach draußen mit Alpen-Panorama gewährt ein Monitor im Eingangsbereich, den die Riklins „Wasch- und Lounge-Oase“ nennen.

Wird der Start mit dem 54-Betten-Haus im Jahr 2009 ein Erfolg, sollen das als Markenzeichen geschützte Null-Stern-Hotel als Lizenzprodukt in der Schweiz in Serie gehen. Genug leerstehende Schutzanlagen gibt es jedenfalls.

Es sei eine „lustvolle Erweiterung des gängigen Hotelangebots“, erklären die Brüder, bei dem auf Dekoration oder Komfort bewusst verzichtet werde. In einem Manifest wird sogar geregelt, wer wann duschen darf: „Frauen zur vollen Stunde, Männer zur halben.“ Diejenigen, die warmes Wasser bevorzugen, müssen auf das Zufallsrad hoffen. Das entscheidet täglich, wer warm und wer kalt duschen darf. Alles andere als unterirdisch ist nur der Service: Livrierte Dorfbewohner versorgen die Gäste mit dem Nötigsten, aber auch mit dem Besonderen. Wer die Variante „Luxus“ bucht schläft nicht nur komfortabler, sondern bekommt morgens Kaffee ans Bett und jeden Abend ein anderes Betthupferl. Das Null-Sterne-Angebot wird durch ein selbst erfundenes Zertifikat abgesegnet und beim Hoteleingang plakettiert. Der Sevelener Gemeinderat, anfangs noch reichlich skeptisch, ist mittlerweile von dem Projekt derart angetan, dass er sogar als Betreiber fungiert. „Ein Ganzjahresbetrieb ist denkbar“, sagt beispielsweise Gemeinderatspräsident Roman Zogg.

„Grundsätzlich gilt: Die physische Aufladung eines Raumes erreicht man nur durch die dramaturgische Inszenierung einer Betriebsidee und deren individuelle Beseelung, durch Geschichten, Rituale, durch gezielte Liebe zum Detail und nicht zuletzt durch einen spürbaren, menschlichen Charme“, erläutern Frank und Patrik Riklin. Die beiden Sankt Galler haben bereits in den Jahren 2002 bis 2005 mit einer anderen ungewöhnlichen Idee einige Aufmerksamkeit bekommen. Auf dem Kamor, einem 1751 Meter hohen Berg zwischen dem Sankt Galler Rheintal und Appenzell-Innerrhoden, versammelten sie sich mit Vertretern anderer Länder zum „kleinsten Gipfeltreffen der Welt“ – und machten daraus eine Videoinstallation. _ Text: Stefan Ruzas Fotos: Null-Sterne-Hotel

Kontakt:

Null-Stern-Hotel
Teufen, Appenzell Ausserrhoden

Telefon: +41 71 330 01 63
Email: info@nullsternhotel.ch
www.null-stern-hotel.ch
Preis:
Übernachtung/Person in der Variante „First Class“ (Einzel- oder Doppelzimmer) ab 20 Euro, in der Variante „Luxury“ (Biedermeier-Holzbetten) ab 30 Euro.