Neue Monte Rosa-Hütte, Zermatt

monte_rosa_2 BildRevoluzzer-Bau, Architekturwunder, Hütte der Zukunft: Die Ende 2009 eröffnete Neue Monte Rosa-Hütte in Zermatt im Schweizer Oberwallis – mit großartigem Blick aufs Matterhorn – markiert den Beginn einer neuen Epoche.

Viel wurde in den vergangenen Jahren geredet über den gewagtesten Hüttenneubau in den Alpen. Traditionsbewusste Wanderer fürchteten einen seelenlosen Schandfleck – und das auch noch an solch exponierter Stelle, auf 2883 Meter Höhe, einsamst gelegen am Fuß der 4634 Meter hohen oberwalliserischen Dufourspitze, mit Königsblick aufs Matterhorn. Naturschützer fürchteten großen Schaden aufgrund der Baumaßnahmen in dieser Höhe und Abgeschiedenheit. Skeptiker bezweifelten die Umsetzbarkeit der technischen Maßnahmen. Und dann erst der enorme Preis, meldeten sich die Sparsamen: 6,5 Millionen Schweizer Franken, rund 4,5 Millionen Euro, würde das Projekt „Glänzling“ verschlingen, womit die Neue Monte Rosa-Hütte zur vermutlich teuersten Bergunterkunft der Welt aufsteigen würde. Andererseits zu was für einer! Die allermeisten, die sich näher mit dem Projekt beschäftigten, lobten die futuristische Architektur, die innovative Technik und vor allem die ungeahnte Energieeffizienz, da nahezu die gesamte benötigte Energie autark produziert werden sollte.

Debatten im Konjunktiv. Denn im Herbst 2009 wurde das ambitionierte Gemeinschaftsprojekt der ETH Zürich und des Schweizer Alpenclubs SAC eröffnet, seit März 2010 kann jeder Alpinist, der rechtzeitig reserviert hat, dort nächtigen – was deutlich mehr Gäste in Anspruch genommen haben als erwartet. Und die meisten stellen ein positives Fazit aus und ein futuristisches: Mit dem bienenstockähnlichen Silber-Ufo beginnt eine neue Generation von Berghütte. Schließlich hat sie mit der niedrigen, engen, dunklen Berghütte der Vergangenheit nichts gemein (allerdings auch nicht die Urigkeit, die muss sie sich erst erarbeiten). Nein, bei der Neuen Monte Rosa-Hütte müssen andere Adjektive zur Charakterisierung herhalten: schräg, hell, technisiert, vernetzt, komplex.

Schräg: die Wände, das lange Dach, überhaupt die gesamte Anmutung des polygonalen Umrisses mit einem ganz in Aluminium gepackten Oberbau. Hell: das hölzerne Interieur, die hohen Räume, die großen Fenster. Technisiert: die vielen Maßnahmen zur Energieproduktion. Vernetzt: Alle relevanten Daten, etwa des Reservationssystems, der Energiespeicher und der Wetterstation, werden von der Hütte auf einen Rechner an der ETH Zürich übermittelt. Und von dort auch gesteuert. Eine Hütte mit Fernbedienung quasi. Kurz: Es handelt sich um den wohl komplexesten Holzbau, der zurzeit in der Schweiz steht.

Schließlich wollten die Macher nicht nur ein paar kleine technische Kniffe hier und da einbringen, sondern einen großen Wurf wagen, das innovative Gesamtkonzept stand im Vordergrund. Verkleidet mit einer silbern schimmernden Aluminiumhülle sowie einer in die Südfassade integrierten Fotovoltaikanlage, produziert sie Strom – und mindestens 90 Prozent der benötigten Energie. Ferner erzeugen im Gelände aufgestellte Solarkollektoren Wärme. Damit wird einerseits Warmwasser erzeugt und andererseits die Zuluft der Lüftungsanlage erwärmt, um die Räume für die maximal 120 Gäste zu temperieren. Und drittens wird das während nur weniger Monate im Jahr anfallende Schmelzwasser in einer Kaverne gesammelt und gespeichert. So profitieren die Gäste von wassergespülten Toiletten und vier Warmwasserduschen. Das wird man besonders dann zu schätzen wissen, wenn man den neu realisierten Klimahörpfad von Zermatt bis zur Hütte hinaufgewandert ist. Dabei machen einem in der Regel nicht nur die Höhenmeter zu schaffen machen, sondern auch die dort wiedergegebenen Fakten zum Klimawandel._ Text: Von Christian Haas – Fotos: ETH-Studio Monte Rosa/Tonatiuh Ambrosetti

Kontakt:

3920 Zermatt

Telefon: +41 27 967 21 15
www.section-monte-rosa.ch
www.neuemonterosahuette.ch

Preis:
Für SAC-Mitglieder: 24,50 sFr/Nacht
Für Nicht-Mitglieder: 35,50 sFr