Forsthaus Bad Tölz, Bad Tölz

Alpine Küche mit einem Hauch Curry. Dem Ehepaar Plötz gelingt eine große Koalition der Geschmäcker. Ob es daran liegt, dass sie mal Abgeordnete des Bundestags verköstigt haben?

 

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Es tät einen nicht wundern, schaute hier gleich eine Hex’ zum Fenster raus. Denn dem gleicht das kleine Forsthaus an der Landstraße von Bad Tölz nach Wackersberg aufs Haar. Kleine Fenster mit grün-grauen Läden, gedrungenes Dach, großer, wilder Garten. Doch vor einem Hexenhäusl mit Hexe stehen selten einladende Tische und Stühle. Und es gingen auch nicht so viele Leute fröhlich ein und aus.

Also ist es kein Hexenhäusl, sondern ein Gasthäusl, gut: Gasthaus. Jahrzehntelang war es bekannt für Kaffee und Kuchen und eine gute Brotzeit. Seit vier Jahren nun ist es im Besitz der Familie Plötz. Auch sie bietet Kuchen und Kaffee, auch der ist lecker und gut. Aber ihr Herz pocht für das Abendessen, das feine. Schließlich haben Nadja und Maximilian Plötz ihr Gewerbe von der Pike auf in guten und besten Restaurants gelernt. Zuletzt arbeitete sie als Chef du Rang und er als Chefkoch in Käfer’s Abgeordnetenhaus in Berlin. Doch das Herz des gebürtigen Oberpfälzers schlägt nun mal für Bayern und für die alpine Küche, auch wenn er seinen Speisen gerne mal einen asiatischen oder mediterranen Hauch gibt.

Deshalb wollte er auch wieder zurück. Nach etlichen Jahren Berlin hatte sich Maximilian Plötz durch seine Arbeit im Nobelrestaurant des Berliner Abgeordnetenhauses zwar einen sehr guten Ruf erworben, zu dem wichtige Leute kamen Tag ein, Tag aus. Doch die Landeshauptstadt wurde dem Lockenkopf, dessen verschmitztes Lachen ihn manchmal an den leibhaftigen Kasperl erinnern lässt, zu groß, zu hektisch. Der damals knapp zweieinhalbjährige Bub sollte kein Großstadtcowboy werden. So suchte Familie Plötz ins Blaue hinein ein Gasthaus auf dem Land – und sie wurden fündig, besser: gefunden. Die betagte Besitzerin des Forsthaus Bad Tölz erfuhr davon, sprach die Plötzens an und man wurde sich schnell handelseinig.

„Die Umstellung von Berlin nach Bad Tölz war riesig! Es war ein Schock“, staunt Nadja noch heute. Die gebürtige Ukrainerin, die seit 1988 in Berlin lebte, fühlte sich eigentlich als Großstadtmensch und musste sich schwer daran gewöhnen, zwar in toller Umgebung, aber weitab vom Trubel zu leben. Und auch die Tölzer mussten sich an die neuen Pächter gewöhnen. „Am Anfang kamen die alten Stammgäste aus Neugier. Dann blieben sie erstmal weg, weil wir das Forsthaus so ganz anders führten als die alte Besitzerin – die übrigens noch nebenan im Austragshäusl wohnt“, erzählt Nadja. Doch schließlich sprach sich die erstklassige Küche herum. Leute kamen, neue Leute. Aus München, aus Tölz, Urlaub Machende und Einheimische. Auch die Prominenz stellte sich wieder ein, wie in Berlin. Doch hier ist sie geräuschlos, dezent. Herr Flick kommt schon mal zum Abendessen vorbei. Der „Bulle von Tölz“ Ottfried Fischer suchte das Forsthaus oft während der Dreharbeiten auf. Und Richard von Weizsäcker speist gerne in der Stube. „Wenn ein Konvoi mit schwarzen Limousinen die schmale Landstraße hochfährt, dann wissen wir, dass Herr von Weizsäcker wieder hier ist“, freut sich die neue Hausherrin. „Er liebt es, höflich aber normal behandelt zu werden. Auch er ist ein sehr höflicher und sehr normaler Mensch.“

Während bis zum frühen Abend im Forsthaus für die Wandersleute „einfache“ warme Gerichte wie Schnitzel, Ente, Suppe oder Brotzeiten mit luftgetrockneten Schinken oder Kaiserschmarrn auf der Karte stehen, wird es abends ambitiöser und hochstehender. Menü-Folgen stehen auf dem Plan. Das besonders beliebte „Probier-Menü“ zum Beispiel, bestehend aus vier oder fünf Gängen wie Rinderbrühe, Teigtaschen mit Waldpilzen, Tafelspitz mit Senfkruste oder wahlweise Filet vom Zander mit Zwiebel-Honig-Marmelade und einer filigranen Nachspeise. Die vielfältigen Varianten schaffen den Spagat zwischen bodenständig und extravagant mühelos, fast spielerisch.

Im Gastraum sitzt es sich, wie es sich in so einem Häusl sitzen muss: gemütlich, anheimelnd, bequem. Ein großer, grüner Kachelofen verströmt im Winter wohlige Wärme und ist auch im Sommer ein Blickfang. Das Mobiliar zeugt von schöner Robustheit, ohne plump oder kitschig zu sein. Abends ist das Forsthaus immer sehr gut besucht, da lohnt die Reservierung. Am Wochenende, bei Sonnenschein, kann es auch vorkommen, dass der Garten aus allen Nähten platzt. Denn im Sommer sind die Tische bilderbuchhaft unter der großen, alten Buche weiß eingedeckt. Im Herbst und Frühjahr verlagert sich das Genießen dann auf die Westseite des Hauses, nicht nur wegen der Wärme, sondern auch wegen des aparten, oberbayerischen Blicks auf die Benediktenwand. Da wäre schon so mancher gerne zur Hex’ geworden, um sich einen Platz freizuhexen. _ Text: Birgitt Hölzel – Fotos: Hansmann

Kontakt:

Forsthaus Bad Tölz
Wackersberger Str. 15
83646 Bad Tölz

Tel. 08041 7927878
Fax. 08041 7927684
www.forsthaus-toelz.de