Etzlihütte, Urn

Etzlihuette_aussen BildVor dem Berg sind alle gleich. So handhaben es zumindest die Gäste der Etzlihütte in Urn. Die auf 2052 Meter Höhe gelegene Hütte des Schweizer Alpen Clubs ist eigentlich ein Nationentreff im Badebotti.

Wer als Skitourengeher vom südlich gelegenen Rueras über Mittelplatten aufsteigt (und noch einen Abstecher auf den 2.709 hohen Chrüzlistock plus ein paar günstig gelegene Steilrinnen mitnimmt), hat bereits rund 1.700 Höhenmeter hinter sich, wenn er endlich auf der Etzlihütte eintrudelt. Freudig-schüchtern begrüßt von Cibo, seines Zeichens Hüttnhund, Labradorrüde und heimlicher Herr des Hauses, gerät der Empfang zum herzlich wedelnden Willkommen. Klar, ein prächtig aufgeschäumter Schümlikaffe weckt die Lebensgeister  wieder – noch mehr tut das aber der draußen vor der Hütt’n gelegene Wasserbottich, neben Cibo die Attraktion der auf 2.052 Meter gelegenen Hütte. Umgeben von meterhohem Schnee dümpeln und planschen hier bis zu acht Personen diverser Nationen im wohlig warmen, 45 Grad heißen Wasser, tauschen fachkundige Tourentipps sowie Insider-Infos zu den umliegenden Gipfeln aus. Der nicht immer selbstverständlichen Deutsch-Schweizerischen Völkerverständigung tut das gut.

Denn: Vor dem Berg sind alle gleich! Das stellt sich hier draußen, zwischen Handtuch und Gänsehaut, ganz schnell heraus. Wie gut auch, dass der knapp handbreite Holzbottichrand g’rad eben ausreicht, um eine Flasche Panaché (Radler) oder Prosecco zu parken. Da tauen Zunge wie Zehen doppelt schnell auf.

Frisch gebadet schmeckt das mehrgängige Abendessen zwei Mal so gut. Die Wirtsleute Rita und Christoph Sagerer lassen es sich nicht nehmen, persönlich am Tisch zu erscheinen und „’en Guete!“ zu wünschen. Anfangs staunend beäugt, schmecken die Älplermagronen (eine Variante von Tiroler Grösti ohne Fleisch) gerade in der erstaunlichen Kombination mit Apfelmus sehr erfrischend. Cibo patrouilliert zu dieser Zeit ums Haus, denn zu viele Häppchen sind des Hundemagens Graus, wie wir ja wissen. Gut gestärkt und quietschsauber sinken die Höhentouristen sodann im Bettenlager in ihre nordischen Duvets, die gegen kleinen Aufpreis zu haben sind. Zwar ist das Verständnis für Vegetarier bei den Wirtsleut vielleicht noch ausbaufähig, das Essen dafür aber reichlich und mit Hingabe gekocht.

Einem echten Knaller kommt es natürlich gleich, Silvester hier oben zu verbringen – obwohl dann auf Knaller komplett verzichtet wird. Statt dessen wurden Gäste beobachtet, die das neue Jahr mit der blumigen Festtags-Raumdekoration im Haar begrüßten, selig Wunderkerzen schwenkend, und nach einem herz- und magenerwärmenden Silvestermenü sowie reichlich Sekt den Stürmen des beginnenden Jahres mehr als nur gelassen entgegen sahen. Andere empfingen das neue Jahr mitternächtlich im „Badebotti“ prostend, feiernd und die Schneeflocken von der Nase prustend – was kann da noch schief gehen in den kommenden 365 Tagen?

Wer spätestens hier die Nase rümpft („Iiiiiih! Ungewaschen in die Gemeinschafts-Wanne!“), dem sei beizeiten gesteckt: Im Winter wird sich zünftig im Schnee gesuhlt, bevor das Après-ski mit kollektiven Badefreuden winkt. Zusätzlich steht ein ganzjährig funktionierender, günstig gelegener Waschraum zur Verfügung. Wem so zahlreiche Erfrischungen und Anreize noch nicht genügen, der kann von Eisfallklettern im Etzlital über Touren in alle Himmelsrichtungen, per Schneeschuh oder Tourenski, so allerhand anstellen.

Oder einfach nur den Wolken nachschauen, die die Szenerie der steinigen Gipfel wie Piz Giuv, Piz Nair, Sunnig Wichel, Etzlibergstock oder Chrüzlistock  in immer neues, dramatisches Licht tauchen. Frei nach dem Motto: Rauf gehen, um runter zu kommen. Nicht zu toppen ist natürlich die 1.600 Höhenmeter lange Touren-Abfahrt vom Piz Giuv hinunter nach Disentis – nicht enden wollender Powder und eine Route, die in Kaskaden über immer neue Stufen hinab führt.

Das Fazit? Schauen wir doch einfach ins Etzlihütten-Gästebuch, da schrieb am 2.1.2009 Susanna aus der Schweiz:  „Hoi zämä , ss isch aifach grossartig gsi, eui Silväschterparty, dä Bottich under em Schtärnehimmel, s megafain Ässe und überhaupt!!!! Ganz härzliche Dank und bis es nöchschts Mol! Die füf Schtärne wo eui Chuchi und dä ganzi Service verdiene wür, träg i dänn im Summer mol uf d Hütte :-)“ Dem ist nix hinzu zufügen… _ Text und Fotos: Franziska Horn

Kontakt:

Etzlihütte

Tel. +41 (0) 41/820 22 88
www.etzlihuette.ch
SAC – Schweizer Alpen-Club
mail: info@etzlihuette.ch
Preis:
Übernachtung für Erwachsene ca. 23 Euro
Für Kinder bis 7 Jahre ca. 7 Euro
Für Kinder bis 17 Jahre ca. 11 Euro