Der Krallerhof, Leogang, Salzburger Land

Krallerhof_zimmer_03 BildWie macht das der Krallerhof bloß? Traditionelle Alpen-Zimmer, Konferenzhochburg und Wellnesstempel de luxe – alles harmonisch unter einem großen Dach. Das Beste jedoch sind die individuellen Farb-Suiten, wahre Kunsträume.

Österreich ist das Land der Wellnesshotels. Etwas mehr als tausend Anbieter konkurrieren derzeit um die Gunst der erholungssuchenden Gäste. Da will es schon etwas heißen, wenn einen einschlägige Tester in landesweiten Rankings in die Top Ten hieven. Der „Krallerhof“ im salzburgerischen Leogang findet sich seit Jahren in der Spitzengruppe wieder, erst neulich hat ihn der „Relax Guide 2012“ zum viertbesten Wellnesshotel der Alpenrepublik gekürt. In der Kurzbegründung heißt es: „Das angenehm gestaltete Spa bietet sehr gute Behandlungen und wurde vor Kurzem wiederum erweitert, neu sind vor allem Ruheräume – davon einer mit Großbildern von Hermann Nitsch, erst vor zwei Jahren aufgehängt – sowie einem Außenbecken, das auch ganzjährig beheizt ist.“

Gut, wenn man weiß, was man nicht will
Dass der Wellnessbereich derart gut ankommen würde, hätte Sepp Altenberger, der das 4-Sterne-Superior-Haus, das durchaus auch als 5-Sterne-Herberge durchgehen könnte, zusammen mit seinem auf den Tag genau ein Jahr jüngeren Bruder Gerhard führt, nicht gedacht: „Wir wussten vor zehn Jahren eigentlich nicht, was wir tun. Wir hatten bei der Gestaltung des Wellnessbereichs aber drei Feindbilder: das Griechische, das Römische und Alpenkitsch.“

Diesem Vorsatz sind sie wahrlich treu geblieben. Zwischen der Kräuter-Sauna, in dessen Inneren matrixartige grüne Digitaltropfen für eine angenehme Hypnose sorgen, dem übergroßen Whirlpool und allerlei anderen Dampfbädern finden sich keine Schnörkel. Kein Wellness Alpienne. Kein augustinischer Springbrunnen. Stattdessen dominieren klare Linien, Schiefer, Granit. Farbenfroh geht es zu. Wenn man sich für ein charakterisierendes Adjektiv entscheiden müsste, das auf den Wellnessbereich samt großem Hallenbad passt, dann vielleicht dieses: indisch. Was vermutlich an den immer wieder verwendeten orange-ocker-gelben Wandfarben liegt. Ein anderes wäre: tiefenentspannt. Oder jenes: modern. Aber letzteres wollen die Altenbergers gar nicht sein. Eher puristisch. Der Einsatz von Granit und Schiefer hat ihnen schon beim Besuch der berühmten Valser Therme gefallen und sie inspiriert. Mittlerweile wird eher der „Krallerhof“ kopiert. Wobei sich Nachahmer ranhalten müssen. Denn ständig kommt etwas Neues dazu, erst der mit riesigen Bildern des Malers Hermann Nitsch bestückte Ruheraum, jüngst der so genannte „Private Spa“, den man zu zweit oder in der Gruppe mieten kann. Na, wer es sich leisten kann …

Zimmer mit echter Pesönlichkeit
… für den kommt dann eventuell auch die Gold-Suite in Frage, das Juwel des 124-Zimmer-Hauses: 114 Quadratmeter groß, 2 Geschosse, 350 Euro in der Hochsaison. Pro Person. Pro Nacht. Günstiger kommen die anderen 22 Farbsuiten, die im modernen, pardon puristischen, Westtrakt untergebracht sind, und die der Künstler Ty Waltinger in den tollsten und knalligsten Farben von safran über ocker bis ultramarin gestaltet hat. Die verwendeten Pigmente erzeugen dank der einmaligen Wischtechnik eine Ausdrucksstärke, die jedem Zimmer eine echte Persönlichkeit verleihen. Das wird durch die im Badbereich angebrachten kleinen Mosaike und die Kombination aus handgefertigten Möbeleinzelstücken, feinen Holzböden, Skulpturen und Glas – und Steinelementen befeuert. Wo gibt es das schon: ein Hocker mit rötlichem Kuhfell, daneben ein steinerner Elefant (Indien!) und eine in die Steinwand eingelassener Glastischplatte? Schade nur, dass man die Zimmertemperatur in den Suiten nicht selbst regulieren kann.

In den anderen Zimmern geht das schon, und die sind ebenfalls total verschieden. Da gibt es einige eher biedere Räume in dunklem Holz und dem Stil herkömmlicher Alpenhotels. Neu hingegen sind die 17, alles andere als biedere Power-Sleeping-Zimmer. Gerhard Altenberger kennt gleich eine Reihe von Argumenten, warum sich die gerade einmal 10-20 Euro Aufschlag zu vergleichbar großen Zimmern lohnen: „1. Das hier verwendete Zirbenholz, das wissenschaftlich bestätigt den Herzschlag senkt. Dann 2. die Erdungsauflage, 3. die Möglichkeit, alle elektrischen Geräte komplett mit einem Schalter zu deaktivieren und 4. das mit rund 9000 Euro sauteure Spezialbett.“ Alles Hokuspokus? Offenbar nicht. Die Gäste sind begeistert. Eine Frau lag dem Hotelchef beim Abschied sogar heulend in den Armen, weil sie endlich wieder schlafen konnte.

Wellness, Design, Schlaftherapie, Gourmet. Damit nicht genug der Schwerpunkte. Die Altenbergers setzen auch auf Seminar- und Konferenzurlauber. Rund 160 Veranstaltungen stehen auf dem Programm. Dafür gibt es ja auch eigene Räumlichkeiten,  ebenso wie für die Kinder ein 300 Quadratmeter großes Kinderparadies, der „Kralli-Club“. Familien stehen auf der Zielgruppenliste ebenfalls ganz oben.

Aufi auf d‘ Alm!
Bei so vielen Standbeinen besteht die Gefahr, sich zu verzetteln. Doch dieses Gefühl kommt beim Gast keinen Moment auf. Eher jenes, dass im Haus selbst doch irgendwie eine Grenze erreicht ist. Ob es den lichtdurchfluteten Ruhekristall-Raum im Obstgarten wirklich gebraucht hätte? Sicher, schön ist er auf jeden Fall, die Bepflanzung und die kunstvolle Gestaltung sind auch gelungen, aber beim Blick nach draußen müssen Gäste im wahrsten Sinne über Tennisplätze und die Anrainerstraße hinwegsehen. Im Hotel-Imperium wirkt halt schon alles irgendwie ineinandergeschachtelt.

Vielleicht ist das ein Grund, warum es die Altenbergers bei neuen Projekten eher woanders hinzieht: hinauf auf den Berg, rund 900 Meter höher, wo sie Mitte Dezember das „AsitzBräu“ als Ableger des Krallerhofs eröffneten – Untertitel „Europas höchstgelegenes Brauhaus“. „Des ist so aufgebaut, als könnte man jede Minute anfangen zu brauen“, sagt Sepp Altenberger. Dass sie es nicht tun, liegt lediglich an der minderen Qualität des in dieser Lage kalkfreien Brauwassers. Also lassen sie es woanders brauen. Egal, die Leute werden auch so kommen und über die museumsartige Komposition von Sudhaus und Braugerätschaften staunen.

Fehlt eigentlich nur noch die direkte Verbindung ins Skigebiet Leogang-Saalbach-Hinterglemm, mit 200 Pistenkilometern eines der größten und besten im Land. Noch müssen Skifahrer den kostenloses Hotelshuttle zur drei Minuten entfernten Asitz-Talstation nehmen, doch die Altenbergers wären nicht die Altenbergers, wenn es nicht auch schon die nächste große Idee gäbe: eine direkte Bergbahnanbindung vom „Krallerhof“ aus. Einen kostenlosen Skilift für die Kinder gibt es ja schon. Und die Skischule auch. Die war 1952 sogar die erste am Ort. Plus: Das Hüttenspringen, bei dem die Skilehrer mit Fackeln an den Skischuhen und von einem Skidoo bergab beschleunigt über ein Schanze aufs Hüttendach der benachbarten „Kraller-Alm“ springen, ist legendär. Zu dem jeden Mittwoch zelebrierten Event strömen Heerscharen von Schaulustigen. Und sorgen für Partystimmung in der urigen, mehrere Hundert Leute fassenden Hütte – also noch ein Standbein des „Krallerhofs“. An Heiligabend spielt dann jedoch keine Rockmusik, sondern da wird’s besinnlich, wenn die Gäste des „Krallerhofs“ hier gemeinsam feiern. „ Da wird gesungen und gefeiert“, erzählt Sepp Altenberger, „und viele Familien haben sogar Oma und Opa im Schlepptau.“ Wer jetzt denkt, am 24. träfe sich eine kleine Schar, der irrt. Sepp Altenberger weiß, was da los ist: „Das Haus ist bis zum letzten Bett ausgebucht. An Weihnachten ist bei uns fast mehr los als an Silvester.“
Fazit: Der „Krallerhof“ ist ein Wellness-, Familien- und Seminarhotel auf höchstem Niveau. Das 4-Sterne-Superior-Haus wird all jene begeistern, die den Geist eines lokal gefärbten Familienunternehmens schätzen, bei dem es gelingt, inspirierende Kunst- und Wohlfühlelemente in ein Traditionshaus zu integrieren. Text: Christian Haas – Fotos: Der Krallerhof

Kontakt:

Wellnesshotel „Der Krallerhof“
Rain 6
A-5771 Leogang

Tel. +43/6583/8246-0
mail: office@krallerhof.com
www.krallerhof.com

Preis:
Ab 130 Euro pro Person und Tag
inklusive Halbpension
Maximalpreis Goldsuite 350 Euro/Tag/Person