Alles Bio, oder was? Das praktiziert zumindest der Pristinger Hof bei Seis auf dem Weg zur Seiser Alm in Südtirol. Und künstlerische Heukurse gibt es obendrein.

Heupuppen, Heumäuse, Heukatzen, Heudrachen. Heu ist das Steckenpferd von Josefine Planer, der Hofbäuerin des Pristinger Hofes. Mit Heu arbeitet sie für ihr Leben gern. Deshalb lernen die etwas größeren Kinder (und die Eltern natürlich auch, wenn sie das wollen), wie man die langen, trockenen Halme mit Draht und Heißklebepistole zu wunderbaren Kunstwerken formt.

Aber die Bäuerin ist auch Bäuerin mit Leib und Seele. Biobäuerin. Sie liebt ihre Tiere im Stall und auf der Weide: die Hühner, die Kühe, die Ziegen, die Schafe, die Kaninchen. Ebenso wie die vielen, vielen Katzen und den netten, kinderlieben Hund. Den Katzen kann man beim Mäusejagen, Hühner ärgern, faulenzen und kämpfen zusehen. Wer Geduld und ein sanftes Händchen hat, wird sie streicheln können.

Zweimal am Tag geht sie zu ihnen in den Stall, morgens um sechs und abends um sechs. Aber gemolken wird in der Früh (sehr zum Leidwesen von Urlauberkind Maja (6), die zu gerne ihrer Lieblingskuh (Maya!) mal die Zitzen lang gezogen hätte – unter Anleitung versteht sich). Gefüttert werden sie nur mit eigenem Bio-Futter, artgerecht gehalten auch. Hin und wieder wird geschlachtet, denn das gehört auf einem echten Hof dazu. Daraus entsteht dann zum Beispiel ein recht würziger, nussiger und magerer Rinderschinken, den die Gäste probieren und kaufen können. Hartwürste, selbst gemachte Marmeladen wie die dunkelrote Josta (eine Johannisbeer/Stachelbeer-Kreuzung), Ziegen-Frischkäse, frische Eier und Milch fehlen natürlich nicht im hauseigenen Angebot.

Der eher kleine Hof, neben dem sich eine imposante Scheune erhebt, liegt an der Straße (sie schlängelt sich weit genug unterhalb des Hofes, sodass sie für die Kinder nicht erreichbar ist) von Kastelruth zur Seiser Alm. Drei Appartements mit bis zu sechs Schlafgelegenheiten – Ehebett, ein Stockbett und ein Schlafsofa in der Wohnküche – gibt es auf dem Pristinger Hof. Die Ausstattung entspricht gutem Standard, die Balkone eröffnen ein tolles Panorama nach Südosten, das bei guter Sicht bis auf den Ritten oberhalb von Bozen und die Ortlergruppe im Hintergrund reicht. Abends herrscht Stille.

Ein abgegrenzter Garten mit Sandkasten, Schaukeln und anderen Spielsachen sowie einem riesigen, massiven Holztisch zum Draußen-Essen bietet genug Platz zum Austoben für die Stunden zwischendurch, wenn sich die Familien nicht gerade auf Wanderschaft befinden. Ein erster kleiner Rundgang zur Erkundung der näheren Umgebung beginnt gleich hinter der Haustür: über Wiesen und an Gehöften vorbei – immer das mächtige Dolomiten-Massiv Schlern vor Augen, an dessen Fuße schöne Wanderwege angelegt sind – erreicht man nach rund zwei Kilometern den kleinen Ort Seis. Zurück geht es über die Wiesen zur St. Vallentin-Kapelle. Die kleine Walfahrtskapelle ist ein sehenswertes Juwel aus der Romanik. Obwohl der Weg nicht weit ist, empfiehlt es sich, eine Karte mitzunehmen, denn ob der Hügel und vielen kleinen Wege irrt man doch leichter, als vermutet. Ein paar Kilometer weiter beginnt die Seiseralm: Skigebiet für Familien in Winter und Wandergebiet mit köstlichen Einkehrmöglichkeiten wie die Gostner Schwaige (auf Gourmet-Niveau). Nur im November, da ist eher ruhig in diesem Gebiet, dann sind viele Restaurants und Sehenswürdigkeiten geschlossen und bereiten sich auf den Wintertrubel vor. _ Text und Fotos: Birgitt Hölzel

Kontakt:

Pristinger Hof
Familie Planer
St.Vallentin 20
I-39040 Seis/Südtirol

Tel. 0039-0471-707005
www.pristingerhof.com
www.roterhahn.it

Preis:
Appartements für 2-6 Personen, 40 – 75 Euro pro Tag ohne Frühstück