Ansitz Steinbock, Villanders

Was sind Crossnys? Pflanzen? Gebäck? Straßenkreuzungen auf Ungarisch? Der preisgekrönte Steinbock im Südtiroler Villanders überrascht mit ungewöhnlichen Koch-Ideen und einer Armee Kerzen.

 

Hotel Ansitz Steinbock aussen Bild

„Vielen ist es gleichgültig, was sie essen, oder zumindest tun sie so. Das finde ich töricht. Ich für meinen Teil bin sehr besorgt um meinen Magen und nehme ihn ernst. Wem der Magen nichts bedeutet, dem ist wohl auch alles andere ziemlich egal.“

Das selbstgebackene Brot, noch warm aus dem Ofen, hält, was das Samuel Johnson-Zitat auf der abendlichen Menükarte verspricht: Essen ist eine ernste Sache! Das unterschreiben auch die handgedrehten Grissini, Pizzaschnitten und Mini-Brötchen… Schluss mit der Knabberei, schließlich geht’s erst los mit dem lang erwarteten Super-Diner im herrschaftlichen Ansitz zum Steinbock, hoch über dem Südtiroler Eisacktal.

Ein überraschender Gruß aus der Küche legt die Gourmet-Latte noch höher: Ein wohl temperiertes Kartoffelschaumsüppchen kommt in einer Art Schnapsglas und flankiert von hausgebeiztem Saibling mit Spinatpüree auf den Tisch. Aufwändig. Une vraie amuse geule, wie der Franzose sagt. A gschmackig’s Mogndratzerl, wie der Bayer sagt. Was sagt eigentlich der Südtiroler? Egal, noch während wir diskutieren, stehen die freilich hausgemachten Tagliatelle mit Rindsgeselchtem und besprenkelt von Almkäse vor uns – hochdekoriert mit frischem Schnittlauch. Der beste Beweis, dass eins plus eins plus eins viel mehr als drei macht: Es schmeckt köstlich! Dazu öffnet Sommelier Othmar Erschbaumer einen heimischen Tropfen – und klärt die städtischen Banausen auf: Der alpenländische Chardonnay stammt aus der Edellinie Cornell von der Kellerei Schreckbichl, direkt aus dem nahen Girlan. Aha.

Während langsam der Geschmack vom Almkäse im Gaumen verklingt, zählen wir ungeniert die Hirsch-, Gams- und ja, auch die Steinbock-Geweihe an den Wänden der Zirbelholzstube aus dem 17. Jahrhundert, schielen neugierig auf die Etiketten der Weinflaschen, die der eifrige Othmar an den Nachbartisch trägt, da geht es im gut abgestimmten Rhythmus schon weiter: Die im Rohr gebratene Lammkeule auf Wirsing, Kürbis und Crossnys erscheint. Die Dramaturgie stimmt. Im Kern zartrosa geschmort, außen geschmackvoll und auf einem Bett von vollmundigem Bratenjus und adrett gehäckseltem Gemüse – was sind eigentlich Crossnys? Othmar besteht darauf, dass es sich um eine Pflanze handelt, ein seltenes Gemüse aus dem Nachbartal. Schmecken tun sie gut, die Crossnys, auch wenn das weltweite Netz Null komma Null Information zu dieser Krone der Botanik hergibt. Nun gut. Trösten wir uns zur Abwechslung mit einem Schluck Blauburgunder von Kloster Neustift. Und beschließen das Festessen mit einer Joghurtschnitte, begleitet von selbstverfertigtem Preiselbeersorbet und einer aromatischen Käseverkostung.

Fazit zum Diner: Edel. Gut. Bezahlbar. Weder überkandidelt noch abgehoben. Junges Team aus drei Köchen um den preisgekrönten Küchenmeister Hannes Pignater. Geführt wird der Steinbock von Elisabeth Rabensteiner, der 20-jährigen toughen Chefin, seit 2002 gehört das Haus ihrer Familie. Beste Rohstoffe vom eigenen Bauernhof mit Angusrindern und Lamm. Von Bauern der Gegend ( „kurze Wege“ lautet hier das Credo) stammen zum Beispiel alte Tomatensorten, Biospanferkel und auch die – ja, die Crossnys. Auf den Tellern trifft das beste aus der Region auf echt italienische Wertschätzung für Essen…

Ja, im Steinbock lässt es sich zudem vortrefflich übernachten. Hinter den dicken mittelalterlichen Mauern auf 880 Metern Höhe (die Wurzeln reichen ins 12. Jhdt!)  hoch über der Eisack ruht es sich fürstlich. Wer noch einen Hauch vom Spiritus Loci erhaschen will, geht nach dem Diner vor die Tür und steigt ein paar Meter zum oberhalb gelegenen Friedhof neben der Kirche hinauf. Im Dunkeln beleuchten eine Armee roter Kerzen die regelmäßigen Reihen der Gräber, ein schmiedeeisernes Kreuz neben dem anderen, auf den ersten Blick gleichförmig, auf den zweiten Blick gleicht jedoch keines dem anderen – eine Stimmung, die viel über den Ort verrät. _ Text: Franziska Horn Bilder: Ansitz Steinbock

Der Steinbock wurde übrigens zum „Historischen Gastbetrieb des Jahres 2009 in Südtirol“ gekürt.

Kontakt:

Ansitz Steinbock
St. Stefan 38
I-39040 Villanders
Südtirol | Dolomiten

Tel. +39 0472 843 111
Fax +39 0472 843 468
mail: info@zumsteinbock.com
www.zumsteinbock.com

Preis:
Übernachtung ab 40,- Euro (pro Person im DZ)
Halbpension ab 25,- Euro (ab zwei Übernachtungen)